Zur Geschichte des Verbandes

Die Geschichte des Verbandes Große Münsterländer hat ihre Ursprünge somit in dem Beschluss, die schwarze Farbe, also einfarbig schwarz oder schwarz-weiß auf dem Zuchtbuch des Deutsch-Langhaar endgültig auszuschließen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Vorstehhunde recht frei gezüchtet worden. Erst 1878 bei der Hundeausstellung in Frankfurt und ein Jahr später legte man die Rassekennzeichen für Deutsch-Langhaar und Deutsch Kurzhaar fest. Dabei wurde jedoch für Deutsch-Langhaar gemäß dem aufkommenden Zeitgeist die schwarze Farbe verboten, zumal man die Farbe der Einkreuzung von Settern und Neufundländern zuschrieb. Dabei war außer Acht gelassen worden, dass die schwarze bzw. schwarz-weiße Farbe schon immer in Verbindung mit dem früheren Vogelhund beschrieben worden war. Die These der Farbe durch Einkreuzung wurde später widerlegt. Bis dato war der Deutsch-Langhaar schwarz oder braun bzw. schwarz-weiß oder braun-weiß gezogen worden. Im Stammbuch des Vereins Deutsch-Langhaar wurde die Farbe zwar zwischenzeitlich wieder erlaubt, aber nur wenige schwarz-weiße Hunde wurden eingetragen. Schließlich verbot man die Farbe 1908 dann ganz. Der schwarz-weiße langhaarige Vorstehhund drohte auszusterben.

Doch trotz dieses Verbots wurden einige wenige schwarz-weiße Langhaar gezüchtet und geführt. Doch es gab hartnäckige Liebhaber des leistungsstarken schwarz-weißen großen langhaarigen Vorstehhundes, der so vorzügliche jagdliche Anlagen mitbrachte. Diese taten sich zusammen und gründeten am 19.02.1919 in Haltern am See, in einer Kantine, wo sich heute das Hotel Seehof befindet, den Verein für die Reinzucht des langhaarigen großen schwarz-weißen Münsterländer-Vorstehhundes. 1. Vorsitzender wurde der altbekannte Langhaarmann Hermann Nagel aus Herford-Enger, sein Schriftführer wurde der Lehrer A.E. Westmark aus Recklinghausen. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehörten auch die Brüder Karl und Johann vorm Walde aus Essen-Schuir.

Man beschloss, zuerst die noch vorhandenen schwarz-weißen Vorstehhunde zu erfassen, um dann mit ihnen weiter zu züchten. So trug man die verbliebenen Hunde in einer Urliste von 83 Hunden zusammen. Dann eröffnete der Verein 1922 das Zuchtbuch des Großen Münsterländers und startete eine rege Vereins- und Prüfungstätigkeit. Am 16.10.1921 wurde in Haltern die erste Spezialschau für Große Münsterländer durchgeführt. 1922 wurde denn die Rasse der Große Münsterländer denn auch als eigenständige Rasse von der Deligierten-Commission anerkannt. 1924 wurde eine Jugendsuche und bereits eine Vollgebrauchsprüfung durchgeführt. Im Jahr 1925 wurde die erste Vorm-Walde-Zuchtauslese-Prüfung in Oer veranstaltet. Die Familie vorm Walde, die schon zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes gehörte, hatte den Wanderpokal für diese Prüfung gestiftet und wurde damit zum Namensgeber der Prüfung. Der Große Münsterländer Vorstehhund erregte nach einem Bericht in der Deutschen Jägerzeitung über die Prüfung aufgrund der gezeigten Qualitäten als Verlorenbringer großes Aufsehen.

1927 gliederte man sich an den Deutsch-Langhaarverband, der VGM blieb jedoch ein selbständiger Zuchtverein mit eigenem Zuchtbuch. Ziel der Angliederung war das Werben weiterer Mitglieder zur Verbreiterung der langhaarigen Vorstehhunde. Es entstand weitere rege Prüfungstätigkeit.

1933 mit dem Beginn des 3. Reiches ergaben sich auf für den Verein zwangsläufig organisatorische Änderungen. Es begann eine Gleichschaltung aller Organisationen, die dem Reichsbund für das deutsche Hundewesen (RDH) zwangsweise angliedert wurden. Die Zuchtvereine wurden in sogenannte Fachschaften umfunktioniert. Der Verein gehörte nun der Fachschaft Deutsch-Langhaar an als Zuchtgruppe Große Münsterländer, blieb aber als Verein immer bestehen.

1936/37 gelang es dem Jagdgebrauchshundeverband, dem alle Jagdgebrauchshund- und Zuchtvereine angehörten, sich aus dem RDH herauszulösen, und sich der deutschen Jägerschaft anzugliedern.

Mit Kriegsende trennte sich der Langhaar-Verband von den GM-Züchtern. Leider wurde man sich dann zu Fragen der zukünftigen Organisation der Zucht der Großen Münsterländer nicht einig. Aus diesem Disput erfolgte die Neugründung eines GM-Vereines am 15.1.1947 in Recklinghausen, dem Verein für große schwarz-weiße Münsterländer-Vorstehhunde von 1919 e.V., der auch als Borkener Verein bezeichnet wurde. Zudem wurde eine Landesgruppe Luxemburg/Belgien aus der Taufe gehoben. Die bisherige Zuchtgruppe GM blieb als Essener Verein jedoch bestehen. So gab es fortan parallel zwei GM-Vereine.

Die Nachkriegszeit war insgesamt schwierig für die Entwicklung der Zucht, es galt zuerst, die geretteten Reste des Zuchtmaterials zu sichten und für die Zucht bereitzustellen.

So dauerte es lange, bis die beiden Vereine, die nach dem Krieg vollzogene Trennung wieder überwanden. Am 1.10.1957 vereinbarte man erstmalig wieder die Führung eines gemeinsamen Zuchtbuches. Doch erst 1969 fusionierten nun die beiden GM-Vereine wieder miteinander zum Verband Große Münsterländer. Die beiden alten Vereine wurden aufgelöst.

Seither hat sich der Verband sehr positiv entwickelt. 1974 wurde eine neue Satzung und eine neue Zuchtordnung verabschiedet und der Verband Große Münsterländer e.V. in seiner heutigen Form gegründet. Der Verband hat unter dem jetzigen Vorsitzenden Franz Loderer ca. 2000 Mitglieder, die in 8 weitgehend selbständigen Landesgruppen organisiert sind. Sie führen in eigener Verantwortung ihre Prüfungen, Zuchtschauen, Führer- und Richterlehrgänge durch. Das Ziel des Verbandes ist die Erhaltung der breiten jagdlichen Eigenschaften: Spur- und Fährtentreue, lautes Jagen, sicheres Verlorenbringen, Wasserfreude, Wild- und Raubzeugschärfe und sehr gute Führigkeit verbunden mit ruhigem, umgänglichen Wesen und bester Gesundheit der Hunde.

Im vergangenen Jahr wurde der Weltverband Grosser Muensterlaender International e.V. gegründet, dem bereits die Länder Österreich, Schweiz, Tschechien, England, Frankreich, Niederlande, Belgien Finnland und Dänemark angehören. Ziel ist die Erarbeitung vergleichbarer Prüfungen und einheitlicher Zuchtregeln, die es erlauben, ein gemeinsames Zuchtbuch aufzustellen und so die Rasse weiter zu verbreitern.

Zu seinem 100. Geburtstag in diesem Jahr hat der Verband eine Chronik herausgegeben, in der die interessante Verbandsgeschichte nachgelesen werden kann.